Unsere Tipps

Es ist sehr schwierig, wenn überhaupt möglich, Sie für alle Situationen vorzubereiten und fertige Rezepte für alle Fälle zusammenzustellen. Unabhängig davon, ob ein Vertrag mit unserer Stelle zustände kommt oder nicht, möchten wir hier, die Wichtigsten davon, die aus unserer Erfahrung spezifisch auf Adoption in Russland oder der Ukraine abgestimmt sind erläutern.

  1. Bevor Sie sich für das Herkunftsland entscheiden
  2. Bevor Sie ins Herkunftsland reisen
  3. Kindervorschlag und Kinderbesuch
  4. Beim Kontakt herstellen mit Ihrem Kind
  5. Nach der Ankunft in der Schweiz

Bevor Sie sich für das Herkunftsland entscheiden

  • Sich endlich den Wunsch nach einem Kind erfüllen ist leichter gesagt als getan! Mit der Erteilung der provisorischen Pflegeplatzbewilligung in der Schweiz fängt alles erst richtig an. Welche Voraussetzungen beachtet werden müssen und welche Rechte und Pflichten aus einer Adoption gemäss der aktuellen Gesetzgebung des Herkunftslands entstehen, müssen im Rahmen der Hintergrundrecherchen abgeklärt werden.
  • Sprechen Sie darüber mit Ihrer kantonalen Adoptionsbehörde, resp. Ihrem zuständigen Sozialarbeiter, und machen Sie Ihre Ansprechpartner auf die gewissen Unkompatibilitäten der gesetzlichen Grundlagen den involvierten Ländern aufmerksam. Das Wichtigste dabei ist die Regelung über die Nachadoptionskontrolle. Klären Sie ab, ob man damit einverstanden ist, auf Ihren Antrag mindestens 3 Jahre nach Einreise des Kindes die Entwicklungsberichte zu Hd. der Adoptionsbehörde im Herkunftsland zu erfassen, und die Registrierung des Kindes im lokalen Konsulat zu kontrollieren. Diese Bestätigung/Garantie ist ein Bestandteil Ihres Adoptionsdossiers und deshalb unerlässlich!
  • Es ist empfehlenswert, den Gesundheitszustand des Wunschkindes in Ihrer Bewilligung so zu formulieren: ein gesundes Kind oder ein Kind mit therapierbaren bzw. operierbaren Beeinträchtigungen. Denn alle oder fast alle Kinder weisen mindestens eine Verzögerung in der Entwicklung auf.

Bevor Sie ins Herkunftsland reisen

  • Die Politik beider Länder bezüglich der Auslandadoptionen ist aus diversen Gründen recht instabil, sogar feindlich. Trotz unerfreulich grösserer Zahl der Waisenkinder und fehlender finanzieller Mittel, wird die Platzierung eines Kindes im Ausland als Letztes in Kauf genommen. Für Sie heisst es, dass Sie nicht erwartet werden! Und noch mehr dazu: oft werden Ihnen die Steine so lange in die Wege gelegt, bis Sie es aufgeben. Und es ist kein Wunder, dass Ihr Vorwärtskommen an formellen Fehlern scheitert. Man darf diesen bürokratischen Aufwand nicht unterschätzen, aber auf der anderen Seite nicht zu persönlich nehmen. Schlussendlich geht es um die Verfolgung des Schicksals eines kleinen Menschen, und die Behörden verlangen all die Umtriebe nur, um sicher zu gehen, dass das Kind an einen guten Platz vermittelt wird. Alles geschieht also nur zum Wohle des Kindes. Aus Ihren Unterlagen müssen deutliche Schlussfolgerungen gezogen werden können. Am Besten klärt man genau ab, welche Dokumente, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt vorgelegt werden müssen, da Änderungen und Ergänzungen immer vorbehalten sind. Auch Ihre persönliche Situation und Lebensgeschichte hat Einfluss darauf.
  • Um sich im Wald der Vorschriften besser orientieren zu können reicht es meistens nicht, nur einen Dolmetscher zu engagieren, sondern man braucht eine mit dieser Materie vertraute Hilfsperson. Versucht man auf eigene Faust ins Adoptionsverfahren einzusteigen, riskiert man einen endlosen und untransparenten Prozess mit unnötigen Nervenstrapazen und ungewissem Ausgang.
  • Informieren Sie sich über einige Krankheiten wie z.B. FAS, Autismus, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte etc. (siehe Links) und deren Verlauf schon im Voraus. Man sollte in der Lage sein, die wichtigsten Symptome und Merkmale auf ersten Blick zu erkennen. Einige Krankheiten sind therapier-, resp. operierbar. Der Weg ist zum Teil langwierig, aber Erfolg versprechend. Vergessen Sie jedoch nicht, dass Sie auf die Aufnahme eines Kindes mit bestimmtem gesundheitlichem Zustand aufgeklärt und vorbereitet wurden. Das bedeutet, dass Ihre Entscheidungsfreiheit durch diese Auflagen beschränkt ist. Sollten Sie sich doch für ein Kind mit darüber hinaus gehenden Merkmalen entscheiden, hat das für Sie eine Abänderung der Bewilligung und damit Verlangsamung des Prozesses zur Folge.
  • Geschenke und Köstlichkeiten. Es ist wichtig, zu wissen, dass die zu adoptierenden Kinder im Vergleich zu Gleichaltrigen aus der Schweiz fast immer kleiner sind. Deshalb kaufen Sie keine Kleidung oder Schuhe als Geschenke vor Ihrem ersten Besuch. Auch die exotischen Süssigkeiten oder Früchte sind für diese Zwecke nicht geeignet. Es ist gut möglich, dass die Kinder in ihrem Leben noch nie ein Eis, oder Schokolade gegessen haben. Bunte, grosse und robuste Spielzeuge zum aktiven Mitspielen in der Gruppe, Puppen und Teddys kommen immer gut an. Und wenn etwas zum Naschen, dann einfache traditionelle lokale Köstlichkeiten wie Kekse oder Schleckwaren.

Beim Kindervorschlag und Kinderbesuch

  • Alle Angaben, die Sie zuerst über das Kind erhalten, sind für den Zeitpunkt der Aufnahme des Kindes in die elternlosen Kinder Datenbank relevant. Es kann gut sein, dass sich der Gesundheitszustand des Kindes in der Zwischenzeit verbessert oder verschlechtert hat. Vielleicht haben sich neue Erkrankungen manifestiert. Es betrifft vor allem den so genannten pränatalen, resp. perinatalen Kontakt. Über den aktuellen Stand werden Sie am Ort, wo das Kind sich befindet, informiert. Sie werden die Möglichkeit bekommen, mit dem leitenden Arzt, mit der Direktion des Heimes, mit Pflegepersonal oder Erziehern zu sprechen. Dabei gilt das Prinzip - keine Frage ist zu viel und niemand ist daran interessiert, Ihnen etwas zu verschweigen oder die Fakten zu verfälschen. Es liegt aber in Ihrem Interesse, dass die Krankheitsgeschichte des Kindes für Sie "ausgedeutscht" wird. Wenn Sie die fachlichen medizinischen Ausdrücke nicht kennen, zögern Sie nicht, eine kundige Person beizuziehen. Manchmal sind die Diagnosen, die sich schrecklich anhören, in der Realität was Routinäres und gar nichts Schwerwiegendes oder auch umgekehrt!
  • Seien Sie bereit, dass Ihnen möglicherweise auch Kinder vorgeschlagen werden, dessen Gesundheitszustand weder Ihrem Wunsch noch Ihren Auflagen entsprechen. Lassen Sie sich nicht irritieren oder verwirren. Auch wenn es Ihnen schwer fällt, NEIN zu einem Kindervorschlag zu sagen, vergessen Sie nicht, dass Sie nicht jedes Kind adoptieren können, resp. dürfen. Ihnen muss bewusst sein, dass Sie die Probleme spätestens bei der Einholung des Einreisevisums für Ihr Kind kriegen, falls Ihre Auflagen nicht erfüllt sind. Wenn Sie verunsichert oder unentschlossen sind, nehmen Sie sich Zeit, alles genau zu überlegen. Wenden Sie sich an die Spezialisten und nehmen Sie am Besten Ihr Recht auf eine unabhängige medizinische Expertise wahr.
  • Es kann schon Einigen das Herz brechen, wenn dutzende Kinderarme Ihnen entgegen gestreckt werden. Solche Begegnungen sind höchstwahrscheinlich. Verhalten Sie sich gefasst und souverän. Es muss Ihnen bewusst sein, dass Sie nicht in der Lage sind, die ganze Welt glücklich zu machen, und auf der anderen Seite, dass eine internationale Adoption nicht immer die beste Lösung für das Kind ist.
  • Die Adoptionswilligen, die die düstere, zum Teil erbärmliche Existenz in den staatlich geführten Waisenhäusern und Kinderheimen irgendwann hautnah erlebt haben und/oder möchten aus strategischen Gründen Bereitschaft für eine freiwillige Spende, resp. humanitäre Hilfe aller Art, zeigen. Manchmal werden Sie auch dazu aufgefordert. Wir empfehlen Ihnen, damit bewusst und selektiv umzugehen. Es ist leider so, dass Ihre Hilfe nicht immer die Begünstigten erreicht. Lassen Sie sich auf keinem Fall erpressen oder einschüchtern. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Kontaktperson vor Ort und reflektieren es nicht auf Ihre Erwartungen auf eine erfolgreiche Adoption. Falls Sie zu einer seriösen gezielten Spende bereit sind, wenden Sie sich an uns. Wir beraten und informieren Sie gerne über laufende Projekte und stellen Ihnen einen Spendenausweis aus.

Beim Kontaktherstellen mit Ihrem Kind

  • Angenommen Sie sind mit dem Kindvorschlag einverstanden und stellen einen Antrag auf die Adoption. Die Phase vor und nach dem Gerichtstermin im Land ist für die Kontaktherstellung mit Ihrem zukünftigen Adoptivkind besonders wichtig. Nutzen Sie jeden Moment, um Zeit mit Ihrem Kind zu verbringen und sich gegenseitig zu beschnuppern. Abgesehen davon, dass es Ihre im Gesetz verankerte Pflicht ist, das Kind persönlich kennen zu lernen, was auch genau protokolliert und beim Gericht berücksichtigt wird, ist es auch Ihre Chance, mit der Übergangs- und Integrationsphase möglichst früh zu beginnen. Je geschickter und delikater Sie sich während dieser Zeit verhalten, desto reibungsloser wird der Anfang Ihres Zusammenseins.
  • Sie sollten auch darauf vorbereitet sein, dass Ihnen das Kind spätestens beim Abholen plötzlich seinen Rücken kehrt und den Kontakt mit Ihnen verweigert. Eine solche Reaktion ist nichts Ungewöhnliches - Sie sind immer noch Fremde. Seien Sie tolerant und machen sich bewusst, dass es nicht am Kind, sondern vielleicht an Ihnen liegt! Es ist ratsam, dass Sie zumindest am Anfang über minimalen Russisch Wortschatz verfügen. Sich verständlich zu machen ist der erste Schritt zu einander. Natürlich braucht es mehr Zeit um das Vertrauen und die Zuneigung des Kindes zu gewinnen. Vertrauen Sie dem Personal vor Ort. Die Leute sind entsprechend ausgebildet und werden Ihnen dabei behilflich sein, aus solchen Krisesituationen den richtigen Weg zu finden. Sollten Sie für gewisse Zeit abreisen, stellen Sie ein kleines Fotoalbum zusammen und lassen es bei Ihrem Kind als Andenken an Sie.
  • Die Abreisevorbereitungen sind ziemlich hektisch: Besorgen von neuen Dokumenten für das Kind, deren Übersetzung und Beglaubigung, Einholung des Einreisevisums für die Schweiz, Organisieren von Flug und Transfers. Es darf aber weder am Beisammensein noch an Privatsphäre für jeden fehlen. Erkundigen Sie sich, was man so Spannendes mit dem Kind erleben kann. Ein Zirkus-, Zoo- oder Vergnügungsparkbesuch lohnt sich immer, aber auch gemeinsame Spaziergänge oder Stadtbummel werden Ihnen gut tun. Überrollen Sie aber Ihr Kind nicht mit übertriebener Aufmerksamkeit, sondern respektieren Sie auch seine Privatsphäre, resp. sein Bedürfnis, sich mal zurück zu ziehen oder sich selber zu beschäftigen. Wann immer möglich, wählen Sie eine Unterkunft vor Ort mit mindestens zwei Zimmern und sorgen Sie dafür, dass das Kind genug Spielsachen hat. Aber lassen Sie Ihr Kind nie unbeaufsichtigt.
  • Für viele Kinderheime ist die Versorgung der Schützlinge mit Pampers und Ähnlichem eine sehr teuere Angelegenheit. Deshalb lernen die Heimkinder sehr schnell, aufs Töpfchen zu gehen. Versuchen Sie, dieses Können zu schätzen und zu unterstützen. Unterlassen Sie es, Ihr Kind nur aus Ihrer Bequemlichkeit in Pampers zu stecken, auch wenn das Töpfchen Ihr ständiger Begleiter sein muss.

Nach der Ankunft in der Schweiz

  • Bei der Adoption eines Kindes aus dem Ausland kann der Erziehungsalltag zusätzlich durch Eingewöhnungsschwierigkeiten und die kulturelle Entwurzelung des Kindes erschwert werden. Machen Sie Ihrem Adoptivkind die Übergangsphase, sich in einem neuen Zuhause zu integrieren, möglichst einfach. Dazu gehören auch Kontakte mit gleichsprachigen Kindern. Informieren Sie sich über das Angebot von spezialisierten Spielgruppen oder suchen Sie Familien mit Adoptivkindern aus dem gleichem Sprachraum auf. Im Internet finden Sie zahlreiche Foren, um sich auszutauschen.
  • Der Tagesablauf spielt in einem Heim eine sehr wichtige Rolle und wird immer beharrlich durchgesetzt. Die Mahlzeiten, Ruhestunden, der Unterricht oder Spielen etc. laufen genau nach Plan und sollten auch bei Ihnen Zuhause zumindest am Anfang beibehalten werden. Vermeiden Sie Aktivitäten während der umpassenden Stunden.
  • Um Verdauungsprobleme und allergische Reaktionen zu vermeiden, schenken Sie auch den Essgewohnheiten Ihres Kindes genug Aufmerksamkeit. Die Heimküche ist meistens sehr einfach und nicht sehr abwechslungsreich. Ausserdem hat wahrscheinlich jedes Kind seine Vorlieben. Erkundigen Sie sich im Heim nach Lieblingsspeisen und Essverhalten Ihres Kindes.
  • Die Aufnahme eines älteren Kindes, das möglicherweise bereits mehrere Wechsel seiner Bezugspersonen oder einen längeren Heimaufenthalt erlebt hat, stellt zusätzliche Anforderungen an die Adoptiveltern, die häufig nur mit einer besonderen erzieherischen Kompetenz und einem hohen Mass an Einfühlungsvermögen zu bewältigen sind. Verschiedene Verhaltensauffälligkeiten, die diese Kinder unter Umständen als "Überlebensstrategie" oder als Reaktion auf Gewalterfahrungen entwickelt haben, erfordern oftmals eine hohe Belastbarkeit der ganzen Familie und die Bereitschaft, an therapeutischen Behandlungen aktiv mitzuwirken. Unsere Stelle steht Ihnen zur Seite, die notwendigen Adressen, so wie Russisch sprechende Psychologen und Ärzte zu vermitteln, sowie Beratungsangebote durch Fachstellen zu unterbreiten.

Wir hoffen sehr, Ihnen mit diesen Informationen behilflich sein können. Weitere wichtige Ratschläge und Hinweise finden Sie in den Sachbüchern zu diesem Thema. Einige davon haben wir dort für Sie aufgelistet.

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